Zusammenklappbare Kinderwagen, jede Menge „unverzichtbare“ Spielsachen und zahllose Klamotten „für den Fall der Fälle“. An was man nicht alles denken muss, wenn man als junge Familie verreisen möchte. Kathrin und Chingun haben drei Töchter und wissen, dass ein vollgepacktes Auto nur ein kleiner Teil eines großen und viel viel schöneren Ganzen ist.


„Kinder sind so neugierig – sie sind die besten Reisebegleiter, die man sich vorstellen kann”, schwärmt der dreifache Vater Chingun. Er hat für die nächsten fünf Tage ein geräumiges Ferienhaus für seine Familie gebucht. Jetzt sitzt er dort auf der Veranda und wiegt sich auf einem geflochtenen Schaukelstuhl glücklich in der Abendsonne.

„Wenn du es nur zulässt, erschließt dir ihre Neugier völlig neue Welten und du lernst durch sie ganz andere Menschen und Orte kennen.“

Es ist kein Zufall, dass die Familie Chingunjav das im Herzen von Dalmatien gelegene Split für ihren ersten Urlaub seit fast zwei Jahren gewählt hat. Die Region bietet nicht nur atemberaubende Küsten, sondern auch über 1.000 Inseln und Riffe, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

„Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder aufgeschlossen sind und neue Kulturen kennenlernen“, erzählt uns Kathrin, während sie Gundi (9 Jahre), Sunji (6 Jahre) und Bubu (3 Jahre) dabei zusieht, wie sie an einem kleinen Strand in der Nähe der Altstadt von Šibenik ihre ersten Schritte in die Meeresbrandung wagen.

Die fünfköpfige deutsch-mongolische Familie hatte morgens einen Spaziergang durch die malerischen verwinkelten Straßen der Stadt unternommen. Dort erklommen sie zahlreiche Stiegen, um spektakuläre Aussichten aufs Meer zu genießen und sich dann wieder in den Gassen zu verlieren – mit krönendem Abschluss bei einem der vielen Eisverkäufer. Von hier ging es weiter zum lokalen Fischmarkt, um die Einkäufe fürs Abendessen zu erledigen. Während Mama und Papa von Stand zu Stand zogen und noch ganz überwältigt waren von der Vielfalt der fangfrischen Meeresfrüchte, lernte die sechsjährige Sunji einige ganz neue Geräusche und – um ganz ehrlich zu sein – Gerüche kennen. Naja, es ist eben ein Fischmarkt.

Nachdem der Einkauf für das Abendessen erledigt war, machten sie einen kurzen Zwischenstopp zuhause, um die Fische im Kühlschrank zu verstauen. Weiter ging’s Richtung Meer, wo nach dem erlebnisreichen Vormittag eine wohlverdiente Erfrischung im kühlen Nass wartete.

Sie fanden einen kleinen Kieselstrand, idyllisch versteckt am nördlichen Rand der Dalmatinischen Küste. Ihr neuer einheimischer Freund Maro hatte ihnen gesagt, dass die Fahrt von ihrem Feriendomizil mit Blick auf den kleinen Hafenort Rognoznica 20 Minuten dauern würde. Sie kamen allerdings ziemlich schnell dahinter, dass in Split anscheinend alles 20 Minuten entfernt ist – genauere Angaben erwartet man vergebens. Aber die Chingunjavs sind ja schließlich zum Entdecken hergekommen. Und wenn man von der Straße auf unverbaute Küste und ungezähmtes staubiges Buschland blickt, darf die Fahrt auch ruhig etwas länger dauern. Denn genau dafür sind für die Chingunjavs Ferien da: um ihnen unbekannte Orte zu erkunden und neue Dinge zu unternehmen.

„Es ist wichtig, dass sie manchmal Mut beweisen und Dinge ausprobieren, die es bei uns daheim nicht gibt. Wir möchten nicht, dass sie gegenüber ‚fremden’ Dingen Vorbehalte haben …“

Nach ihrer Ankunft in ihrem neuen Zuhause erzählte ihnen ihr Gastgeber Jakov vom Yugo, einem starken Wind, der aus südlicher Richtung die Küste hinaufzieht – und dass, wenn er einmal loslegt, die ganze Region etwas „wild“ wird.

Daraufhin schauten die Mädchen ihre Eltern mit weit aufgerissenen Augen an und suchten nach Anzeichen, dass ihnen da nicht die ganze Wahrheit erzählt wird.

„Das ist wirklich wahr“, bekräftigte Jakov, während sich ein zuvor schon in seinen Mundwinkeln angedeutetes Lächeln in seinem tiefgebräunten Gesicht breit machte. „Wenn der Regen einmal aufzieht, beginnen die Menschen … ‚kühne’ Entscheidungen zu treffen. Dann schließen sogar die Ämter, um sich vor den unvorhersehbaren Auswirkungen von Yugos Besuch zu schützen.“

Am dritten Urlaubstag geht es morgens auf Entdeckungstour entlang der Küste, wo am Fuße verlassener Leuchttürme verborgene Felsenbecken locken. Und am Abend lässt sich dann das jüngste Familienmitglied der Chingunjavs, die drei Jahre alte „Baby Boss“ Bubu, vom Geist des Yugos inspirieren.

Während ihre beiden älteren Schwestern Gundi und Sunji bereits voller Erwartung im Becken warten, klatschen und ihre Arme in die Richtung von Bubu ausstrecken, steht diese mit einem herausfordernden und entschlossenen Grinsen am Beckenrand.

Kathrin und Chingun schauen ihr zu und warten mit stockendem Atem und gespanntem Lächeln.

„Sie würde sonst niemals ohne Mama oder Papa in das Becken steigen … sie hätte Angst gehabt, dass wir sie allein lassen“, flüstert Kathrin mit gebanntem Blick auf Bubu.

Und plötzlich springt Bubu mit weit ausgestreckten Armen – begleitet vom Jubel ihrer Schwestern – nach vorne und taucht sogar für einen Sekundenbruchteil unter. Als sie wieder an die Oberfläche kommt, macht sich in ihrem vor Wasser nur so triefendem Gesicht ein riesiges, stolzes Lächeln breit.

Während der nächsten 10 Minuten wirft sich Bubu noch mindestens ein Dutzend Mal ins Wasser. Ihre frühere Nervosität ist wie weggeblasen und macht einem absoluten Erfolgsgefühl Platz.

„Die Kinder sind hier einfach so frei und ungebunden … und akzeptierten das Haus, als ob es unser eigenes Zuhause wäre. Es ist beeindruckend, dass Bubu gerade jetzt ihre Angst überwunden hat”, sagt Chingun. „Das zeigt, wie wohl sie sich alle fühlen und wie viel Spaß sie hier haben.“

Auch am nächsten Tag kommt keine Langeweile auf: Die Chingunjavs erkunden den Krka-Nationalpark und Bubu traut sich im Skradinski Buk – einem spektakulären zweistufigen Wasserfall – sogar, ein Stück von ihren Eltern wegzuschwimmen (allerdings nicht zu weit!).

Später am Abend denken Chingun und Kathrin über ihren ersten Familienurlaub seit fast zwei Jahren nach und wie sehr sich die Mädchen entwickelt haben.

Dieser Urlaub ermöglichte uns, endlich wieder einmal etwas Zeit gemeinsam zu verbringen. Wir wollen einfach, dass die Mädchen unterwegs sind, dieses Urlaubsgefühl haben und die Möglichkeit bekommen, neue Dinge zu erleben. Wir verfolgen dabei gebannt ihre neuen Erfahrungen; von den ersten Schritten bis zum ersten Sprung ins Wasser … und jetzt schwimmt Bubu bereits ganz allein”, sinniert Chingun und greift sich an den Kopf, als ob er versuchen würde, all das besser nachzuvollziehen. „Diese Augenblicke sind unglaublich toll und wir sind uns auch bewusst, dass sie fragen werden: ‚Papa, wann kommen wir wieder zurück und machen das noch mal?’ – wir wissen auch, dass sie schon bald nach einem weiteren Urlaub betteln werden, aber das ist uns auch völlig recht.“

Kathrin sitzt nur strahlend da, mit dem warmen Lächeln, das der ganzen Familie hier so natürlich steht, und ist mit ihm ganz einer Meinung.