Anfang dieses Monats hat Airbnb, einer der Sponsoren des diesjährigen Sundance Film Festivals, einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der von der Idee zu #OneLessStranger inspiriert wurde. Die Einsendungen waren Kurzfilme – zwei Minuten oder kürzer –, in denen der Gedanke, mit Unbekannten in Verbindung zu treten, thematisiert wird. Die Gewinnerinnen wurden für das Festival, nach Park City im US-Bundesstaat Utah geflogen.

Wir haben beide Gewinnerinnen des “When Strangers Meet”-Wettbewerbs getroffen, um sie ein bisschen besser kennenzulernen und mehr über ihre Filme herauszufinden.

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Christina Ienna
Collect Smiles.

Sie hat das Beste aus ihrer Situation gemacht: Die kanadische Filmemacherin Christina wohnte nach einer Kreuzband-Operation bei ihren Eltern. “Ich war gelangweilt, weil ich mein Zimmer auf Grund der Verletzung über einen längeren Zeitraum nicht wirklich verlassen konnte”, erinnert sie sich. “Ich wollte einfach nur etwas Kreatives machen.”

Als sie von dem Airbnb-Wettbewerb hörte, bat sie ihre Mutter, sie am nächsten Tag durch die Gegend zu fahren, damit sie ein paar Leute filmen konnte. Der Tag war gleichzeitig die Deadline für die Einreichung der Beiträge. Sie filmte ihre Darsteller im Laden ihres Cousins und auf einer Party und konzentrierte sich dabei so weit wie möglich auf Fremde.

Da sie nur wenig Zeit hatte, beschränkte sie sich auf ein einfaches Konzept: “Jemanden zum Lächeln zu bringen ist der beste Weg, eine Verbindung aufzubauen, wenn man ihn zum ersten Mal trifft”, erklärt Christina. Sie bat jede Person, zu lächeln, was zunächst in “unbehaglichem Lächeln, das nicht sehr glaubwürdig war”, resultierte. Dann versuchte sie, sie zum Lachen zu bringen. “Ich erzählte einen Witz, oder wenn ich sie ein bisschen kannte, dann erzählte ich ihnen eine Geschichte oder machte mich über irgendeine meiner eigenen Dummheiten lustig. Und dann konnte man sehen, wie sich authentischeres Lachen entwickelte.”
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Die Entwicklung vom Lächeln zum Lachen ist in Collect Smiles dokumentiert. “Ich dachte einfach, dass es eine nette Möglichkeit wäre, andere Leute zum Lächeln zu bringen, wenn sie sich das Video ansehen – und das war auch quasi schon der Sinn des Ganzen”, sagt sie.

Während Ihres Aufenthalts in Park City hat sie das Sundance-Programm genutzt, um sich den Film Mistress America anzusehen und an einer Diskussionsrunde von Kamerafrauen teilzunehmen. Christina hat in der Branche zu tun, seit sie mit 18 Jahren in ihrem ersten Monat am College einen Job als persönliche Assistentin bei einem Filmdreh ergatterte. Bei ihrer Arbeit als Regisseurin und Kamerafrau verlässt sie sich auf Airbnb – und nicht nur in Sachen Unterkünfte: “Wir haben tatsächlich einmal ein Inserat in Vancouver gemietet, um dort einen Kurzfilm zu drehen”, erzählt sie. “Wir haben mit den Besitzern gesprochen, sie waren total aufgeregt und blieben auch vor Ort, um den Dreh zu beobachten.”

Wenn sie über den Wettbewerb und den Preis nachdenkt, stellt sie fest: “Ich muss darüber lachen, weil ich schon so viele Sachen für Filme gemacht habe. Und die schnellste, einfachste Sache, die ich jemals auf die Beine gestellt habe, hat mich nach Sundance gebracht.”

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Sylvia Bussmann
To Your Place or Mine?

Sylvia und die Kamerafrau Claire Jahn haben sich 2008 bei einem zweiwöchigen Kamera-Workshop in Polen kennengelernt. “Wir leben in Deutschland 40 Kilometer voneinander entfernt, aber wir mussten erst nach Polen fahren, um uns zu treffen”, lacht Sylvia. Dies ist der vierte Film, an dem die beiden gemeinsam gearbeitet haben.

(Hinweis: Schau Dir doch zunächst den Gewinnerbeitrag von Sylvia an.)
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Sylvia und Claire haben einige Tage an dem Film gearbeitet, in dem es um zwei Fremde geht, die sich in einem Club begegnen. Sylvia berichtet: “Es geht um diese klassische Frage: Zu dir oder zu mir? Ich glaube, jeder kennt sie, überall auf der Welt. Ich bringe einen neuen Dreh hinein mit der Idee, dass [die Protagonisten] ihre Schlüssel austauschen.” Diese Variante erlaubt es ihnen, sich durch ihr jeweiliges Zuhause besser kennenzulernen. “Der Ort, an dem du lebst, ist so persönlich – er verrät so viel über eine Person, über ihren Charakter, sogar noch mehr als ein One-Night-Stand oder ein Facebook-Account.” Laut Sylvia wurde das Konzept für den Film von ihren eigenen Erfahrungen als Airbnb-Gast inspiriert.

“Das Lustige sind die Reaktionen auf den Film”, sagt Claire. “Viele Leute haben uns gesagt: ‘Oh, das ist so eine interessante Idee, ich möchte das auch mal ausprobieren.’ Wir sollten einen Dokumentarfilm über all die Leute drehen, die das ausprobieren. Das kann unser nächster Film werden.”

Sylvia fügt hinzu: “Hoffentlich können wir mit unserem ersten längeren Film nach Sundance zurückkommen – das wäre großartig. Ich wäre wirklich sehr gern ein Teil dieses Festivals. Ich liebe den Stil – es ist nicht zu glamourös, eher unaufdringlich, aber mit wirklich guten Filmen. Und die Leute sind richtig herzlich und behandeln dich auf eine sehr nette Weise, sehr freundlich.”


 

Dies ist ein Gastbeitrag von Anh-Minh Le, der Chefredakteurin und Mitbegründerin des Anthology Magazine. Außerdem schreibt sie regelmäßig für den San Francisco Chronicle und SFC&G. Darüber hinaus ist sie Berichterstatterin für California Home + Design. Zu ihren Leidenschaften zählen Reisen und Design und beim Stöbern in Airbnb-Inseraten überkommt sie jedes Mal heftiges Fernweh.