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Mit der ganzen Familie in den Urlaub zu fahren ist manchmal leichter gesagt als getan. Aber selbst ein Kurztrip mit den Kindern – das haben die Dwyer-Boldens aus Los Angeles kürzlich festgestellt – schafft Erinnerungen, die man so schnell nicht wieder vergisst. Mag sein, dass das Urlaubsziel seinen Teil dazu beigetragen hat: ein Haus an der Nordküste von Kauai mit Pool, Whirlpool, Koi-Teich und wunderschöner Aussicht über die Bucht von Kalihiwai.

Toussaint Bolden planscht in einem Gezeitentümpel in Kauai. Seine Augen leuchten. Wassertropfen im Haar werfen das Sonnenlicht zurück. Er grinst. Der 13-Jährige besucht in Los Angeles die 8. Klasse – auf Hawaii waren er und sein großer Bruder Olinga noch nie. Der steht übrigens 9 Meter weiter oben auf demselben Felsen, von dem Toussaint eben bereits heruntergesprungen ist. Der Tümpel ist der äußerste Zipfel der Insel; dahinter erstreckt sich bis zum Horizont der Pazifik. Jede Welle verwandelt das türkise Wasser des kleinen Beckens in einen schäumenden Whirlpool und saugt sämtliche Insassen hinaus in Richtung offener Ozean, was den Spaßfaktor natürlich enorm erhöht.

„Toussie!“, ruft Liz von weiter oben. „Toussie!“ Doch ihr Jüngster hört sie nicht. Er hat den Kopf unter Wasser. Fische flüchten in alle Richtungen. „Wie cool ist das denn!“, prustet er, als er wieder auftaucht. „Na los, Olinga! Spring rein!”

Olinga weiß noch nicht so recht. Er lugt über die Klippe und versucht einzuschätzen, wie tief der Tümpel ist, dessen schroffer Felsboden unter der Wasseroberfläche deutlich zu erkennen ist. „Was glaubst du, wie viele Meter geht’s hier runter?“, fragt er seinen Vater Elarryo.

„Neun Meter vielleicht? Und, traust du dich?“

Olinga späht in die Tiefe und runzelt die Stirn.

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„Die Jungs lernen dank dieser Reise, dass die Welt größer ist als Los Angeles“, sagt Liz später am Abend. „Zuhause denke ich manchmal: Wir leben in einer Blase. Wir kennen alles schon. Deshalb ist es so toll, den beiden hier zuzuschauen, wie sie neue Dinge für sich entdecken. Von Klippen springen zum Beispiel.” Liz hat es sich auf der großen Veranda der Airbnb-Unterkunft im asiatischen Stil gemütlich gemacht. Hier verbringt die Familie ihre gemeinsame Zeit in Kilauea. Vom Fenster aus sieht man den Swimmingpool und dahinter die Wellen in der Bucht von Kalihiwai. Allmählich senkt sich die Nacht. Liz stützt den Kopf in die Hand und seufzt.

Die Dwyer-Boldens haben kein einfaches Jahr hinter sich. In Los Angeles leben sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Silverlake. Liz hatte Brustkrebs und muss nach wie vor alle drei Monate zur Untersuchung. Sie hat ihren Job verloren. Ihr Mann Elarryo arbeitet für die Security-Abteilung einer Universität und übernimmt dort meist die Nachtschicht. Weil beide Kinder tagsüber zur Schule gehen, ist gemeinsame Zeit knapp. „Es passiert eigentlich nie, dass wir sagen: Okay, diese Woche, an diesem Tag, machen wir was zusammen“, sagt Liz. Toussaint, der als Erster aus der Schule kommt, trifft manchmal noch seinen Vater, bevor dieser zur Arbeit fährt. Allerdings nicht oft.

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„Ich habe das Gefühl, dass wir in unserer Gesellschaft immer weniger Zeit für die Dinge finden, die wirklich wichtig sind“, sagt Elarryo. „Ich will mich gar nicht lange über irgendwelche Klischees beklagen – Leute, die 24 Stunden am Tag an ihrem Handy kleben und so weiter –, denn im Grunde haben wir alle mit denselben Dingen zu kämpfen. Aber jeder verdient auch mal was anderes.“ Er gestikuliert in Richtung des gepflegten tropischen Gartens und des Ozeans. „Mal rauszukommen wird immer schwieriger. Deshalb ist uns besonders bewusst, wie viel Glück wir jetzt gerade haben.“ Er lächelt. „Wir sind nicht nur in den Urlaub gefahren, sonders es läuft obendrein noch richtig gut.“

Kauai ist die kleinste und wildeste (und, Geologiefans aufgepasst, älteste) der vier hawaiianischen Hauptinseln. Wer Jurassic Park gesehen hat, hat Kauai gesehen – der Film wurde fast ausschließlich hier gedreht. Straßen (oder vielmehr: die Straße, denn eigentlich gibt es nur eine) winden sich durch hohe, dschungelbestandene Berge. Hinter jeder Biegung stürzt sich ein Wasserfall ins Nichts, alles ist saftig grün, üppig, paradiesisch, voller Leben.

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„Wie aus einem Traum“, sagt Olinga. Er bestaunt die vorbeiziehende Landschaft, als Elarryo die Familie am nächsten Nachmittag zu einem Strand an der Nordküste der Insel fährt. Für Olinga ist die Schönheit der Natur allerdings zweitrangig: Am wichtigsten ist es ihm, einfach mit der Familie zusammen zu sein. Nur sein Bruder, seine Mutter, sein Vater und er. „Die kleinen Dinge sind das Entscheidende”, sagt er. „Wenn ich zum Beispiel meine Eltern sehe, wie sie den Sonnenuntergang bewundern. Dann weiß ich, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Oder wenn ich im Meer schwimme. Dann wünsche ich mir, alles könnte für immer so bleiben, wie es gerade ist. Das tut es aber nicht, und genau deswegen muss man den Augenblick genießen.“

In ein paar Wochen wird Olinga 16. In seinen Bewegungen und seiner besonnenen, bedächtigen Art zu sprechen meint man schon heute einen viel älteren Mann zu erkennen. Im Ferienhaus setzt er sich gerne in irgendeine Ecke und zeichnet (Egon Schiele und Wassily Kandinsky sind seine Lieblingsmaler), spielt Gitarre (wie sein kleiner Bruder, der seine eigene Punkband namens The Slipouts gegründet hat) oder schaut einfach nur aus dem Fenster. „Ich habe schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen, dass er so ein Lächeln auf dem Gesicht hat“, sagt Liz.

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Liz und Elarryo fahren mit ihren Kindern normalerweise innerhalb von Kalifornien in den Urlaub. („Wir entscheiden spontan als Familie, ob wir Richtung Norden oder Süden aufbrechen.“) Wie vergänglich diese Augenblicke mit ihren Kindern sind, ist ihnen nur allzu bewusst. Egal, ob die Jungs surfen, schwimmen oder sich einfach nur unterhalten, während Liz und Elarryo so tun, als wären sie mit etwas anderem beschäftigt – die Eltern versuchen, diese flüchtigen Momente auf der Festplatte ihrer eigenen Erinnerung für immer zu abzuspeichern.

„Heute haben wir eine Wanderung gemacht und Olinga und Toussaint liefen uns ein Stück voraus. Ich musste an den Tag denken, an dem ich mit Toussaint aus dem Krankenhaus kam“, sagt Liz. „Da war er einen Tag alt. Olinga hat sich so sehr darauf gefreut, dass sein kleiner Bruder nach Hause kommt. Ich habe ihn auf die Couch gesetzt und ihm Toussaint auf den Schoß gelegt, und die beiden schauten sich zum ersten Mal an.“ Liz schießen Tränen in die Augen und Elarryo greift nach ihrer Hand. „Ich habe zu Olinga gesagt: Ab heute, und wenn dein Papa und ich mal nicht mehr da sind, gehört ihr zusammen. Es darf nichts zwischen euch kommen. Ihr sollt miteinander eng verbunden sein und bleiben, und euch immer lieb haben.“ Ihre Stimme zittert ein wenig, sie räuspert sich, lächelt. „Deshalb war es heute etwas Besonderes für mich, als meine Söhne vorgelaufen sind. Nur die beiden zusammen. Mehr kann ich mir als Mutter von einem Urlaub gar nicht wünschen.“ Von draußen wehen Gitarrenklänge ins Haus, jemand springt mit Getöse in den Pool – welcher Bruder für welches Geräusch verantwortlich ist, lässt sich nicht sagen.

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Olinga ist übrigens dann doch noch gesprungen. „Wann kriege ich so eine Gelegenheit zum nächsten Mal?“, hat er gemurmelt, sich das T-Shirt über den Kopf gezogen, Anlauf genommen und den Sprung gewagt. „Das hat mir viel bedeutet, dass auch Olinga seine Grenzen auslotet und sich letzten Endes traut“, sagt Liz am letzten Abend, ehe die Familie zurück nach Los Angeles fliegt. Toussaint vergnügt sich im Whirlpool und futtert Cheerios. Olinga lässt die Füße neben seinem Bruder ins Wasser baumeln.

„Wer weiß?“, sagt Liz. „Vielleicht heiratet er irgendwann und bringt seine Familie dann für einen Urlaub in genau dieses Haus. Seinen Kindern sagt er dann: Als ich fünfzehn war, habe ich all meinen Mut zusammengenommen und bin von dem Felsen da gesprungen – und ihr schafft das auch. Das wäre …“ Einen kurzen Augenblick lang meint man, Liz’ Stimme würde brüchig, aber dann spricht sie weiter: „Das wäre … schön, wenn er das täte.“

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Hier gibt es familienfreundliche Unterkünfte auf Hawaii zu entdecken.

Liz Dwyers Reiseführer für die Nordküste von Kauai

Hawaii ist bekannt für Vulkane und Sandstrände. Wer sich eine Woche lang wie eine einheimische Familie fühlen möchte, die zufällig mitten im Paradies lebt, fährt am besten an die Nordküste von Kauai. Sattes Grün und bunte Blumen überall – kein Wunder, dass die Insel den Spitznamen „Garden Island“ trägt. Meine beiden Teenager, mein Mann und ich haben uns sofort in die relaxte, tropische Atmosphäre verliebt. Kauai hat mehr zu bieten als nur duftenden Hibiskus. Hier stellen wir ein paar unserer Lieblingsplätze vor, die wir in den fünf Urlaubstagen entdeckt haben.

Aktivitäten:

Surfunterricht bei Hawaiian Surfing Adventures: Das Familienunternehmen gehört Surflegende Mitchell „Uncle Mitch“ Alapa und seiner Frau Lynn. Die Surflehrer waren total entspannt. Sie hatten die komplette benötigte Ausrüstung dabei, erklärten meinen Jungs, welche Sicherheitsregeln man auf dem Meer beachten muss, brachten ihnen die Grundlagen bei und nahmen sie dann mit raus aufs Wasser, in die Wellen. Der Unterricht war interaktiv. Die Lehrer haben meinen Jungs außerdem alles Mögliche erzählt: von der Surfkultur auf Hawaii bis hin zum High-School-Alltag auf Kauai. Bonus: Zum Ende der Stunde durften sie vom Hanalei-Pier springen.

Einkaufen auf dem Markt von Hanalei: Für eine Wanderung kann man sich hier mit Taro-Chips, Kokoswasser und frischem Obst eindecken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer großen Tüte Rambutan? Das sind diese stacheligen, Litschi-artigen roten Früchte. Wenn man schon da ist, kann man auch direkt die Zutaten fürs Abendessen einkaufen. Lecker: ein großer Salat mit Daikon-Rettich und Gurken. Für Souvenirjäger gibt es außerdem handgefertigten Schmuck und Kleidung.

Schwimmen im Queen’s Bath: Der Gezeitentümpel namens Queen’s Bath ist nur was für Draufgänger. Meine Familie konnte der Herausforderung nicht widerstehen. Der Weg dorthin führt einen rutschigen roten Lehmpfad entlang und über schroffes, schwarzes, vulkanisches Gestein. In das Becken zu springen oder sich zu nah an der Klippe aufzuhalten, sollte bei hohen Wellen oder von unsicheren Schwimmern unbedingt vermieden werden. Und obwohl die Berge wunderschön sind, sollte man gesunden Menschenverstand walten lassen und sich nicht mit dem Rücken den reißenden Wellen zuwenden.

Der Kalalau-Wanderpfad: Der Pazifik auf der einen, die imposanten Berge der Na Pali-Küste auf der anderen Seite: Eine Wanderung entlang des Kalalau-Pfads fühlt sich an, als wäre man mitten in einem prähistorischen Dschungel gelandet. Kein Wunder – hier wurde auch Jurassic Park gedreht. Der komplette Wanderweg ist 18 Kilometer lang. Wir haben eine kürzere, aber dennoch anstrengende Strecke von unter 2 Kilometern bis zu einem Aussichtspunkt gewählt. Auf diesem Küstenabschnitt fahren keine Autos, man fühlt sich also wirklich wie in einer anderen Welt.

Schnorcheln am Ke’e-Strand: Nach der Kalalau-Wanderung kommt ein Sprung in den kühlen Ozean gerade recht. Ke’e liegt glücklicherweise nur ein paar Meter weiter. Ein küstennahes Korallenriff in einer friedlichen blauen Lagune ist der perfekte Ort, um zu schnorcheln. Das Wasser ist so klar, dass man meinen könnte, man wäre in einem Swimmingpool. Nicht verpassen: den Sonnenuntergang. Die Sonne wandert um die Klippen der Na Pali-Küste. Unvergesslich.

Strandtag in Anini: Weißer Sand und türkises Wasser – ein herrliches Postkartenmotiv und der perfekte Ort zum Entspannen. Strandhandtuch und Sommerlektüre einpacken und den Kindern dabei zuschauen, wie sie im seichten Wasser tropische Fische aufscheuchen.

Essen:

Fischmarkt in Kilauea: Hier zu Mittag zu essen fühlt sich eher so an, als säße man im Garten von Freunden. Freunde, die zufällig die leckersten Mahi-Mahi-Tacos und Tofu-Burritos der Welt gekocht haben. Einheimische kommen her, um Poke zu essen: traditionellen rohen Fischsalat.

Hanalei Taro & Juice Co: Von der Farm in den Mund: An diesem Imbisswagen gibt es leckeres und günstiges Lunch, alles nach Familienrezepten gekocht. Man sitzt an Picknicktischen und genießt Taro-Gemüse-Burger oder Fischtacos mit Limonade oder frisch gepresstem Guavensaft.

Wishing Well Shaved Ice: Hausgemachter Bio-Sirup in verschiedenen Geschmacksrichtungen ist das Geheimnis der Rasureis-Spezialitäten, die man (bereits seit 1983) an diesem Eiswagen bekommt. Eine Portion fruchtiges Rasureis ist groß genug, dass man sie teilen kann. Ruhig das Macadamia-Eis als Grundlage bestellen! Man kann draußen sitzen und seinen Nachtisch mit Blick auf die grünen Berge rund um die Hanalei-Bucht genießen.

Foodland: In diesem Supermarkt in Princeville haben wir uns für Mitternachtssnacks, fürs Frühstück und fürs Familien-BBQ eingedeckt.